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Mein Kind läuft mit 18 Monaten noch nicht frei: Wie kann ich das Laufenlernen zu Hause unterstützen?

Läuft Ihr Kind mit 18 Monaten noch nicht frei, können Sie das Laufenlernen zu Hause gezielt unterstützen – mit sicheren Möbeln, viel Bodenzeit und barfuß. Hier lesen Sie, was je nach Entwicklungsschritt hilft, was Sie besser lassen und wann ärztlicher Rat nötig ist.

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Laufenlernen unterstützen: Was hilft, wenn Ihr Kind mit 18 Monaten noch nicht frei läuft?

Das Laufenlernen unterstützen Sie am besten, indem Sie Ihrem Kind viel Gelegenheit geben, sich selbst auszuprobieren: sichere Möbel zum Hochziehen und Entlanghangeln, Zeit auf dem Boden, barfuß statt in Schuhen – und Geduld statt Druck. Läuft Ihr Kind mit 18 Monaten noch nicht frei, sollten Sie das zusätzlich kinderärztlich anschauen lassen.

Wie Sie zu Hause gezielt helfen, je nachdem an welchem Schritt Ihr Kind gerade steht, lesen Sie hier. Braucht Ihr Kind Unterstützung, bekommen Sie diese als Physiotherapie bei Ihnen zuhause – zwischen den eigenen Möbeln, auf dem eigenen Boden, mit dem Lieblingsspielzeug in Reichweite.

Ist es normal, dass mein Kind mit 18 oder 20 Monaten noch nicht läuft?

Die Spanne ist groß: Freies Gehen kann schon mit neun Monaten beginnen oder erst mit 18 Monaten. Mit 20 Monaten bewegen sich bei normal verlaufender Entwicklung alle Kinder frei und sicher gehend.

Läuft Ihr Kind mit 18 Monaten noch nicht frei, ist das kein Grund zur Panik, aber ein guter Anlass, es bei der Kinderärztin anzusprechen. Bei Frühgeborenen zählt dabei das korrigierte Alter, also das Alter ab dem errechneten Geburtstermin. Welche Grenzsteine gelten und welche Zeichen auf eine motorische Entwicklungsverzögerung hindeuten, lesen Sie auf unserer Diagnoseseite.

An welchem Schritt steht Ihr Kind gerade?

Laufen entsteht in Etappen: erst an Möbeln hochziehen und aufstellen, dann an Möbeln entlanghangeln, schließlich frei gehen. Am meisten hilft, was den nächsten Schritt einlädt, nicht der übernächste.

Ihr Kind zieht sich noch nicht hoch

Bieten Sie stabile Möbel in passender Höhe an, etwa ein Sofa, einen niedrigen Tisch oder eine Kiste, die nicht kippt. Legen Sie ein Lieblingsspielzeug obendrauf, sodass Ihr Kind sich aufrichten muss, um es zu erreichen, statt es ihm anzureichen.

Ihr Kind hangelt sich an Möbeln entlang

Stellen Sie Möbel so, dass kleine Lücken entstehen. Um von einem Möbelstück zum nächsten zu kommen, muss Ihr Kind kurz loslassen – genau dieser Moment trainiert das Gleichgewicht. Vergrößern Sie die Lücken langsam.

Ihr Kind steht frei, traut sich aber keine Schritte zu

Setzen Sie sich in kurzem Abstand vor Ihr Kind und laden Sie es ein, zu Ihnen zu kommen. Ein Spielzeug, das es Ihnen bringen darf, ist oft Anreiz genug. Hinfallen gehört dazu: Reagieren Sie ruhig, damit Ihr Kind den nächsten Versuch nicht scheut. Kinder, die viel üben dürfen, werden geschickter und fallen seltener als allzu behütete Kinder.

Kinder lernen das Gleichgewicht, indem sie es selbst suchen. Unsere Aufgabe als Erwachsene ist es, dafür Gelegenheiten zu schaffen – nicht, die Schritte für das Kind zu machen.

Ist Laufenlernen an der Hand schädlich?

Schädlich nicht, aber auch nicht der beste Weg. Hält ein Erwachsener beide Hände, übernimmt er einen Teil des Gleichgewichts – genau das, was Ihr Kind selbst üben müsste.

Fachleute raten, Kindern beim Laufenlernen viel Gelegenheit zum eigenen Ausprobieren zu geben und nur einzugreifen, wenn es gefährlich wird. Gelegentlich an der Hand zu gehen, etwa auf dem Spielplatz, ist in Ordnung. Für das eigentliche Lernen sind Möbel und freier Raum besser geeignet als dauerhaftes Führen.

Warum barfuß laufen lernen?

Barfuß spürt Ihr Kind den Untergrund und trainiert dabei Fußmuskulatur und Gleichgewicht. Für das Laufenlernen braucht kein Kind Schuhe.

Auf kalten Böden sind rutschfeste Socken oder weiche, biegsame Hausschuhe eine Alternative. Feste Schuhe sind erst sinnvoll, wenn Ihr Kind sicher läuft und draußen selbstständig unterwegs sein möchte. Unterschiedliche Untergründe wie Gras, Sand oder Teppich sind ein gutes Training.

Was sollte ich beim Laufenlernen lieber lassen?

Verzichten Sie auf Lauflernhilfen und auf Druck. Beides hilft Ihrem Kind nicht beim Laufen.

  • Lauflernhilfen (Gehfrei): Von ihnen ist unbedingt abzuraten. Sie erleichtern das Gehenlernen nicht und bergen große Unfallgefahren.
  • Druck und Vergleiche: Ob die Nachbarskinder früher gelaufen sind, sagt über Ihr Kind wenig aus. Manche Kinder sind vorsichtiger oder kommen krabbelnd einfach schneller ans Ziel.
  • Viel Zeit in Buggy, Autoschale oder Wippe: Dort kann Ihr Kind nicht üben. Nutzen Sie sie nur so lange wie nötig.
  • Gefahrenstellen übersehen: Sichern Sie Treppen, Ecken und wackelige Möbel, damit Ihr Kind sich frei bewegen kann.

Eltern in Foren bringen es oft auf den Punkt: „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Das gilt, solange ärztlich alles in Ordnung ist – deshalb gehört die Abklärung mit 18 Monaten trotzdem dazu.

Sprechen Sie zeitnah mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt, wenn:

  • Ihr Kind mit 18 Monaten (bei Frühgeborenen: korrigiert) noch nicht frei läuft
  • es sich nur zu einer Seite dreht, einen Arm kaum nutzt oder sich ein Bein anders bewegt als das andere
  • Sie den Eindruck haben, dass es sich insgesamt auffällig langsamer entwickelt
  • Sie unsicher sind – spätestens bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung

Frühförderung und passende Therapie können Ihrem Kind wichtige Bewegungserfahrungen ermöglichen und mögliche Spätfolgen oft verhindern oder abmildern.

Was sollte ich für den Termin bei der Kinderärztin vorbereiten?

Notieren Sie, wann Ihr Kind sich gedreht, frei gesessen, gekrabbelt und hochgezogen hat, und was es heute kann. Kurze Videos vom Bewegen zu Hause helfen der Ärztin, weil Kinder sich in der Praxis oft anders zeigen.

  • Bewegungsschritte mit ungefährem Alter
  • Bei Frühgeborenen: errechneter Geburtstermin für das korrigierte Alter
  • Auffälligkeiten wie eine Lieblingsseite, Zehenspitzenstand oder ein Arm, der weniger genutzt wird
  • Ihre Fragen und Sorgen – auch das Bauchgefühl zählt

Wie hilft Physiotherapie beim Laufenlernen?

Physiotherapie schaut, welcher Bewegungsschritt Ihrem Kind fehlt, und baut ihn spielerisch auf. Eltern lernen Handgriffe, die sie zwischen den Terminen beim Wickeln, Tragen und Spielen anwenden.

In der neurologischen Krankengymnastik für Kinder arbeiten wir nach Bobath oder Vojta, je nach Befund und Alter. Zu Hause üben wir an den Möbeln und auf den Böden, die Ihr Kind kennt. Wie Eltern eine Bobath-Behandlung allgemein begleiten können, erklärt der Ratgeber dazu, was Eltern bei Bobath zwischen den Terminen tun können. Weitere Themen finden Sie im Überblick zu Entwicklungsthemen bei Kindern.

Häufige Fragen zum Laufenlernen mit 18 Monaten

Was kann ich tun, wenn mein Kind mit 18 Monaten noch nicht läuft?

Geben Sie ihm viel Gelegenheit zum Üben an sicheren Möbeln und auf dem Boden, lassen Sie es barfuß laufen und verzichten Sie auf Lauflernhilfen. Sprechen Sie es außerdem bei der Kinderärztin an.

Bis wann sollte ein Kind laufen gelernt haben?

Mit 20 Monaten bewegen sich bei normal verlaufender Entwicklung alle Kinder frei und sicher gehend. Läuft Ihr Kind mit 18 Monaten noch nicht frei, lassen Sie es abklären.

Braucht mein Kind Lauflernschuhe?

Nein. Kein Kind braucht Schuhe zum Laufenlernen. Feste Schuhe sind erst sinnvoll, wenn es sicher läuft und draußen unterwegs sein will.

Mein Kind spricht weniger, seit es laufen übt – ist das normal?

Ja, meist. Solange Kinder intensiv mit dem Gehen beschäftigt sind, legen sie beim Sprechen manchmal eine Pause ein oder interessieren sich weniger für Bücher und Spielzeug. Das ist kein Grund zur Sorge: Meist holen sie das nach einigen Monaten schnell nach.

Wie zählt das Alter bei einem Frühchen?

Bei Frühgeborenen gilt das korrigierte Alter, also ab dem errechneten Geburtstermin und nicht ab dem tatsächlichen Geburtsdatum.

Wie lange dauert es vom ersten Schritt bis zum sicheren Laufen?

Das ist sehr unterschiedlich. Nach den ersten freien Schritten wird das Gehen mit viel Übung sicherer; Hinfallen gehört in dieser Zeit dazu.

Über den Autor

Albert Becker
Physiotherapeut & Inhaber des Physiopaedikum Hamburg

Seit über zehn Jahren arbeite ich als Physiotherapeut, heute mit mobiler Physiotherapie hamburgweit. Als Bobath-Therapeut für Kinder begleite ich Säuglinge und Kleinkinder, deren motorische Entwicklung Unterstützung braucht – spielerisch, im vertrauten Umfeld und gemeinsam mit den Eltern.

Physiopaedikum Hamburg · Osterstraße 165 · 20255 Hamburg · Telefon 040 – 36 84 86 98

Dieser Text wurde am 29. Oktober 2026 fachlich geprüft und veröffentlicht. Er dient der Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung.

Verwendete Quellen

  1. BIÖG / kindergesundheit-info.de: Die Bewegungsentwicklung beim Kind, Stand 02/2026
  2. BIÖG / kindergesundheit-info.de: Auffälligkeiten im Bewegungsverhalten, Stand 02/2026
  3. Stiftung Kindergesundheit: Kleine Kinder gut zu Fuß, Newsletter 05/2017
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