Diagnose · Frauen & Schwangerschaft

Symphysenlockerung & ISG: Beckenschmerzen in der Schwangerschaft lindern

Ein stechender Schmerz im Schambein beim Gehen, ein Ziehen im unteren Rücken beim Umdrehen im Bett, das Gefühl, das Becken sei instabil — Symphysenlockerung und ISG-Beschwerden gehören zu den häufigsten Schmerzen in der Schwangerschaft. Das Hormon Relaxin lockert dafür die Beckenbänder. Nach der Geburt bilden sich die Beschwerden meist zurück — und schon währenddessen lässt sich mit gezielter Stabilisation und Entlastung viel lindern.

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Definition

Symphysenlockerung und ISG-Beschwerden — was passiert im Becken?

Der Beckenring wird vorne von der Symphyse (Schambeinfuge) und hinten von den beiden Iliosakralgelenken (ISG) zusammengehalten — den Verbindungen zwischen Kreuzbein und Beckenschaufeln. In der Schwangerschaft lockert das Hormon Relaxin gezielt die Bänder dieser Verbindungen, damit sich das Becken für die Geburt weiten kann.

Diese Lockerung ist an sich normal — schmerzhaft wird sie, wenn der Beckenring dadurch instabil wird und die Strukturen überlastet werden. Man fasst die Beschwerden auch unter dem Begriff Beckengürtelschmerz zusammen. Vorne im Schambein spricht man von einer Symphysendysfunktion, hinten von ISG-Beschwerden — häufig treten beide gemeinsam auf.

Typisch ist, dass Bewegungen mit einseitiger Belastung — Gehen, Treppensteigen, Umdrehen im Bett, das Anziehen im Stehen — den Schmerz auslösen. Die gute Nachricht: Nach der Geburt normalisiert sich der Hormonhaushalt, und die Beschwerden bilden sich bei den allermeisten Frauen wieder zurück.

„Symphysenlockerung und ISG-Beschwerden entstehen, weil das Hormon Relaxin die Beckenbänder für die Geburt lockert. Der Beckenring wird instabil und schmerzt — vor allem beim Gehen, Treppensteigen und Umdrehen. Nach der Geburt bilden sich die Beschwerden meist zurück; gezielte Stabilisation und Entlastung lindern sie schon währenddessen.“

LEITSYMPTOME

Woran Sie eine Symphysenlockerung erkennen

Die Beschwerden treten meist ab der zweiten Schwangerschaftshälfte auf und verstärken sich bei bestimmten Bewegungen. Diese vier Zeichen sind typisch — oft in Kombination.

Schmerz im Schambein

Ein stechender oder brennender Schmerz vorne in der Beckenmitte, direkt über dem Schambein — das Leitzeichen der Symphysendysfunktion.

Schmerz im unteren Rücken & Gesäß

Ein tiefsitzender, oft einseitiger Schmerz über dem Gesäß — hier ist das Iliosakralgelenk (ISG) betroffen.

Schmerz beim Umdrehen & Aufstehen

Umdrehen im Bett, Aufstehen, Treppensteigen oder das Stehen auf einem Bein tun weh — der Gang wird breitbeinig und watschelnd.

Ausstrahlung & Instabilität

Der Schmerz zieht in Leiste oder Oberschenkelinnenseite; manche spüren ein Knacken oder das Gefühl, das Becken „gebe nach“.

WIE ES DAZU KOMMT

Warum das Becken in der Schwangerschaft schmerzt

Meist wirken mehrere Faktoren zusammen — im Kern steht die hormonell gewollte Lockerung des Beckens:

Das Hormon Relaxin lockert die Bänder

Relaxin bereitet den Beckenring auf die Geburt vor, indem es Bänder und Knorpel weicher macht. Symphyse und Iliosakralgelenke werden dadurch beweglicher — und zugleich instabiler, was die schmerzauslösende Überlastung begünstigt.

Was das Risiko erhöht

Beckenschmerzen in einer früheren Schwangerschaft, eine allgemeine Bänderschwäche (Hypermobilität), Mehrlinge sowie körperlich belastende Tätigkeiten machen Beschwerden wahrscheinlicher und ausgeprägter.

Gewicht & veränderte Statik

Der wachsende Bauch verlagert den Körperschwerpunkt nach vorne, das Hohlkreuz nimmt zu, die Belastung auf das Becken steigt. Der ohnehin gelockerte Beckenring muss mehr abfangen.

Einseitige Belastung als Verstärker

Bewegungen, die die Beine spreizen oder das Becken asymmetrisch belasten — einbeiniges Stehen, großes Ausschreiten, Anziehen im Stehen — reizen den instabilen Beckenring zusätzlich. Genau hier setzt die Entlastung im Alltag an.

Wann mehr dahinterstecken kann

Wann Sie ärztlich abklären lassen sollten

Beckenschmerzen in der Schwangerschaft sind meist harmlos und gut behandelbar — einige Zeichen gehören aber ärztlich abgeklärt, in der Regel bei Ihrer Frauenärztin, Ihrem Frauenarzt oder der Hebamme:


Kaum noch gehfähig durch starke Symphysenschmerzen
 — dann braucht es Entlastung, Hilfsmittel und einen engmaschigen Plan.
Fieber zusammen mit Beckenschmerzen — eine Infektion muss ausgeschlossen werden. Taubheit, Kraftverlust im Bein oder Blasen-/Darmstörung — sofort ärztlich abklären lassen. Starke, plötzliche Symphysenschmerzen nach der Geburt — selten kann die Symphyse zu weit auseinandergewichen sein.

Dieser Text dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose.

In der Schwangerschaft & danach

Womit wir Ihre Beckenschmerzen behandeln

Ziel ist, den gelockerten Beckenring zu stabilisieren und im Alltag zu entlasten — sanft und für die Schwangerschaft geeignet. Ein Beckengurt kann zusätzlich stützen; Schmerzmittel nur nach ärztlicher Rücksprache.

Mobile Physiotherapie

Wir kommen zu Ihnen nach Hause. Die vertraute Umgebung gibt Sicherheit, erspart anstrengende Wege — und wir üben genau dort, wo der Alltag stattfindet.

Physiotherapie in der Schwangerschaft

Gezielte Stabilisation von Beckenboden und tiefer Rumpfmuskulatur, schmerzarme Bewegungsmuster und Entlastungstipps für den Alltag — abgestimmt auf Ihre Schwangerschaftswoche.

Manuelle Therapie

Sanfte Techniken, um Iliosakralgelenke und Becken auszubalancieren, Blockaden zu lösen und muskuläre Verspannungen rund um den Beckenring zu lindern.

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Übungen & Entlastung für zu Hause

Übungen, die das Becken stabilisieren

Die richtigen Übungen stützen den gelockerten Beckenring von innen — wichtig ist, dass sie symmetrisch und schmerzfrei bleiben. Bewegungen, die die Beine spreizen oder einseitig belasten, meiden Sie besser. So gelingt der Einstieg:

Beckenboden & tiefe Bauchmuskeln aktivieren:
Ausatmen, den Beckenboden sanft anheben und den Bauchnabel leicht einziehen, kurz halten, lösen. Diese tiefe Muskelschicht stabilisiert den Beckenring wie ein inneres Korsett.
Sanftes Beckenkippen:
In Rückenlage oder im Vierfüßlerstand das Becken behutsam kippen — das mobilisiert schmerzarm und aktiviert die stabilisierende Tiefenmuskulatur, ohne den Beckenring zu reizen.
Kleine Brücke (symmetrisch):
In Rückenlage die Füße hüftbreit und parallel aufstellen, das Becken nur wenige Zentimeter und völlig schmerzfrei anheben. Kräftigt Gesäß und Beckenstabilisatoren — beide Seiten gleichmäßig.
Im Alltag die Knie zusammenhalten:
Beim Umdrehen im Bett und beim Ein- und Aussteigen aus dem Auto die Knie geschlossen halten und den Körper als Einheit bewegen. Einbeiniges Stehen beim Anziehen vermeiden — lieber im Sitzen.

Entlasten & Beckengurt nutzen:

Belastung dosieren, häufiger Pausen einlegen und bei Bedarf einen Beckengurt tragen, der den Beckenring von außen stützt. Seitlich schlafen mit einem Kissen zwischen den Knien entlastet zusätzlich.

Alle Übungen bleiben symmetrisch und im schmerzfreien Bereich. Was in Ihrer Schwangerschaftswoche sinnvoll und sicher ist, stimmen wir im Befund individuell ab — im Zweifel vorher Rücksprache halten.

PROGNOSE & THERAPIE

Nach der Geburt wird es meist wieder gut — und schon jetzt hilft viel

Bei den allermeisten Frauen bilden sich Symphysen- und ISG-Beschwerden nach der Geburt von selbst zurück, sobald der Hormonhaushalt sich normalisiert und der Beckenring wieder fester wird. Das nimmt vielen die größte Sorge. Und bis dahin müssen Sie die Schmerzen nicht einfach aushalten: Gezielte Stabilisation, die richtige Entlastung im Alltag und manuelle Techniken lindern spürbar. In unserer Praxis in Hamburg gehen wir in fünf Schritten vor:

1
Becken entlasten Sofort wirksame Alltagstipps und, wenn sinnvoll, ein Beckengurt zur Stütze.
2
Tiefe Muskeln aktivieren Beckenboden und Rumpf stabilisieren den gelockerten Beckenring von innen.
3
Becken ausbalancieren Sanfte manuelle Techniken für Iliosakralgelenke und muskuläre Balance.
4
Sicher bewegen Schmerzarme Bewegungsmuster für Gehen, Aufstehen und den Alltag mit Bauch.
5
Rückbildung danach

Nach der Geburt das Becken gezielt wieder festigen — für einen stabilen Neustart.

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Erfahrungen

Erfahrungen unserer Patienten

Unser Sohn hatte nach einer Beinverletzung eine tolle Physiobehandlung bei Albert. Durch seine motivierende und zugewandte Art hat mein Sohn sehr gerne mitgemacht. Wir haben viele spielerische und kreative Tips für weiterführende Übungen bekommen, die ich danach prima mit meinem Sohn umsetzten konnte. Das hat viel Sicherheit gegeben. Auch für Fragen hat sich Albert Zeit genommen. Ganz herzlichen Dank für die tolle Behandlung!

Alles super gelaufen! Albert ist Mega sympathisch, fachlich top und effektiv – Schmerzen weg. Besser geht’s nicht, absolute Empfehlung 👍

Mit der Unterstützung von Albert und seinem Team gewinnt mein Vater Stück für Stück seine Mobilität zurück. Vor einem dreiviertel Jahr hatte mein Vater einen Schlaganfall erlitten, mit nachfolgender halbseitiger Lähmung und schlechter Prognose. Die Physiotherapeuten kommen zu uns nach Hause und haben mit ihrer Expertise und ihrem Einfühlungsvermögen den "Turnaround" geschafft. Nun kann mein Vater wieder ein paar Schritte gehen, die Treppe bewältigen und vieles mehr. Albert motiviert meinen Vater, so dass jede Übungsstunde mit einem zufriedenen Lächeln endet. Ein großes DANKESCHÖN

FAQ

Häufige Fragen zu Symphysenlockerung & ISG

Was hilft bei Symphysenschmerzen in der Schwangerschaft?

Am wirksamsten ist die Kombination aus Entlastung im Alltag (symmetrisch bewegen, Knie zusammenhalten, einbeiniges Stehen meiden), gezielter Stabilisation von Beckenboden und Rumpf sowie sanften manuellen Techniken. Ein Beckengurt kann zusätzlich stützen. Schmerzmittel nur nach ärztlicher Rücksprache.

Geht eine Symphysenlockerung nach der Geburt wieder weg?

In den allermeisten Fällen ja. Sobald sich der Hormonhaushalt nach der Geburt normalisiert, wird der Beckenring wieder fester und die Beschwerden bilden sich zurück — oft innerhalb weniger Wochen. Gezielte Rückbildung unterstützt diesen Prozess. Halten Beschwerden länger an, sollten Sie sie abklären lassen.

Ist ein Beckengurt sinnvoll?

Für viele Frauen ja: Ein Beckengurt stützt den gelockerten Beckenring von außen und kann Schmerzen beim Gehen und Stehen spürbar reduzieren. Er ersetzt aber nicht die Stabilisation von innen — am besten wirkt er in Kombination mit gezieltem Training. Sitz und Tragedauer stimmen Sie am besten fachlich ab.

Welche Übungen sind bei Symphysenlockerung erlaubt?

Erlaubt und sinnvoll sind symmetrische, schmerzfreie Übungen: Beckenboden- und Tiefenmuskulatur aktivieren, sanftes Beckenkippen und eine kleine Brücke mit hüftbreit parallelen Füßen. Meiden sollten Sie alles, was die Beine spreizt oder das Becken einseitig belastet. Eine Auswahl mit Anleitung finden Sie oben auf dieser Seite.

Wie schläft man bei Symphysen- und ISG-Schmerzen am besten?

In Seitenlage mit einem festen Kissen zwischen den Knien, sodass das obere Bein nicht nach innen fällt und das Becken gerade bleibt. Beim Umdrehen die Knie zusammenhalten und sich „wie aus einem Guss“ drehen. Ein Stillkissen oder Seitenschläferkissen erleichtert eine stabile Lage.

Kann ich mit einer Symphysenlockerung normal entbinden?

In der Regel ja — eine Symphysenlockerung ist kein zwingender Grund für einen Kaiserschnitt. Wichtig ist, das Team über die Beschwerden zu informieren und Geburtspositionen zu wählen, die die Beine nicht zu weit spreizen. Besprechen Sie das rechtzeitig mit Hebamme und Ärztin oder Arzt.

Albert Becker

Physiotherapeut & Inhaber des Physiopaedikum Hamburg

Seit über zehn Jahren behandle ich Erwachsene, Senioren und Kinder in Hamburg — in der Praxis und als Hausbesuch. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf neurologischen Krankheitsbildern: Ich begleite Menschen mit Parkinson und Multipler Sklerose dabei, Beweglichkeit und Selbstständigkeit langfristig zu erhalten.

Verwendete Quellen

  • Frauenärzte im Netz (BVF): Beschwerden in der Schwangerschaft — Becken- und Rückenschmerzen
  • Deutscher Hebammenverband: Beckengürtelschmerz in der Schwangerschaft
  • Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Rücken- und Beckenschmerzen in der Schwangerschaft

Dieser Text wurde am 27. Juli 2026 zuletzt fachlich geprüft und aktualisiert. Er dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.

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