Polyneuropathie: Sicher gehen trotz Taubheit in den Füßen
Kribbeln in den Zehen, taube Fußsohlen, das Gefühl, wie auf Watte zu gehen — und im Dunkeln wird jeder Schritt zur Unsicherheit. Bei einer Polyneuropathie melden die Nerven Ihrer Füße dem Gehirn nicht mehr zuverlässig, wo der Boden ist. Das lässt sich nicht rückgängig machen, aber ausgleichen: Wer Gleichgewicht und Beinkraft gezielt trainiert, gewinnt Sicherheit zurück — und senkt sein Sturzrisiko deutlich.
Polyneuropathie: Symptome, Ursachen und warum das Sturzrisiko steigt
Bei einer Polyneuropathie sind mehrere periphere Nerven geschädigt — jene langen Leitungen, die Füße, Beine und Hände mit Gehirn und Rückenmark verbinden. Die Beschwerden beginnen fast immer an beiden Füßen und breiten sich langsam nach oben aus, oft „sockenförmig“. Ein Punkt überrascht viele: Ihr Gleichgewicht funktioniert nur, weil die Füße dem Gehirn ständig melden, wie der Boden beschaffen ist und wo der Körper steht. Fällt diese Rückmeldung aus, wird der Gang unsicher — obwohl mit Muskeln und Gelenken alles in Ordnung ist. Genau dort setzt Physiotherapie an.
Polyneuropathien sind häufig: Bei Menschen über 60 Jahren ist bis zu jeder Dritte betroffen.
Die typischen Frühzeichen, meist nachts am stärksten. Manche beschreiben es als Ameisenlaufen, andere als das Gefühl, auf Watte zu gehen. Warum die Sturzgefahr im Dunkeln steigt
Das Gehirn gleicht die fehlende Rückmeldung aus den Füßen über die Augen aus. Bei schlechtem Licht fällt dieser Ausgleich weg — deshalb passieren Stürze besonders häufig nachts und in der Dämmerung. Diabetes ist die häufigste Ursache
Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt die feinen Nerven. Daneben kommen Alkohol, Vitamin-B12-Mangel, Medikamente und Chemotherapien als Auslöser infrage — die Ursache gehört immer ärztlich geklärt. Warum Fußpflege dazugehört
Wer weniger spürt, bemerkt Druckstellen und kleine Verletzungen zu spät. Bei Diabetes ist die tägliche Kontrolle der Füße deshalb genauso wichtig wie das Training. Warum Training den Ausfall ausgleichen kann
Die geschädigten Nerven regenerieren meist nur begrenzt. Gleichgewicht und Kraft lassen sich aber trainieren — der Körper lernt, den fehlenden Sinn über andere Wege zu kompensieren.
Wie stark sich eine Polyneuropathie auswirkt, hängt von Ursache, Dauer und Behandlung der Grunderkrankung ab. Je früher gegengesteuert wird, desto besser bleibt die Sicherheit im Alltag erhalten.
„Eine Polyneuropathie schädigt die peripheren Nerven — typisch sind Kribbeln, Taubheit und brennende Schmerzen in den Füßen. Weil die Rückmeldung aus den Füßen fehlt, entstehen Gangunsicherheit und ein deutlich erhöhtes Sturzrisiko. Gezieltes Gleichgewichts- und Krafttraining kann diesen Verlust wirksam ausgleichen.“
Woran Sie eine Polyneuropathie erkennen
Die Beschwerden beginnen schleichend und fast immer symmetrisch an beiden Füßen. Diese vier Zeichen bringen Betroffene am häufigsten in Behandlung — gesichert wird die Diagnose neurologisch.
„Ameisenlaufen“, Pelzigkeit oder ein Gefühl des Eingeschnürtseins — beidseitig, meist von den Zehen aufsteigend.
Der Boden wird nicht mehr richtig gespürt; der Gang wird unsicher — besonders im Dunkeln, wenn die Augen nicht ausgleichen können.
Brennen oder Stechen in Füßen und Unterschenkeln, das in Ruhe und nachts oft stärker wird als bei Belastung
Treppensteigen und Aufstehen fallen schwerer, die Füße bleiben leichter hängen — im Verlauf kommt Kraftverlust hinzu.
Über 200 mögliche Ursachen — diese sind die häufigsten
Eine Polyneuropathie ist meist kein eigenständiges Leiden, sondern Zeichen einer anderen Erkrankung. Deshalb steht die ärztliche Ursachensuche immer am Anfang:
Die häufigste Ursache überhaupt: Über Jahre erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die feinen Nerven, beginnend an den Füßen. Eine gute Blutzuckereinstellung kann das Fortschreiten bremsen — deshalb ist sie Teil jeder Behandlung.
Bestimmte Krebsmedikamente, aber auch andere Wirkstoffe können Nerven angreifen. Nach einer Chemotherapie ist die Polyneuropathie eine häufige Spätfolge, mit der viele Betroffene lange leben.
Langjähriger Alkoholkonsum ist die zweithäufigste Ursache; auch ein Mangel an Vitamin B12 oder B1 schädigt Nerven. Beides ist behandelbar — und in frühen Stadien können sich Nerven teilweise erholen.
Wer unsicher geht, bewegt sich weniger — und verliert dadurch genau die Kraft und Balance, die vor Stürzen schützen. Dieser Kreislauf ist nicht Teil der Erkrankung, sondern ihre vermeidbare Folge: Er lässt sich durch gezieltes Training durchbrechen.
Wann müssen Sie zum Arzt?
Jede neu auftretende Taubheit gehört neurologisch abgeklärt — nur so lässt sich die Ursache finden und behandeln. Bei diesen Zeichen brauchen Sie umgehend ärztliche Hilfe:
Dieser Text dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose.
Womit wir Sie nach einem Schlaganfall unterstützen
Nach Klinik und Reha beginnt die entscheidende Phase — die ambulante Behandlung, die das Erarbeitete sichert und weiter ausbaut. Unsere Bausteine dafür:
Standsicherheit, Aufstehen, Treppen — angepasst an Ihre Belastbarkeit. Denn bei über 60-Jährigen ist die Polyneuropathie besonders häufig und das Sturzrisiko am höchsten.
Kraft und Ausdauer gezielt aufbauen und erhalten — dosiert nach Belastbarkeit, damit Training bei Fatigue nicht zur Überforderung wird.
Chronische Ödeme brauchen regelmäßige, dauerhafte Behandlung. Wir kommen zu Ihnen nach Hause — damit die Therapie zum Alltag passt, nicht umgekehrt.
Darauf können Sie sich verlassen
Unsere Patient:innen bewerten uns bei Google mit der Höchstnote. Keine gekauften Bewertungen. Echte Erfahrungen von echten Menschen.
Von Säuglingen mit Entwicklungsverzögerungen bis zu Senioren nach Schlaganfall.
Ich behandle seit über einem Jahrzehnt Privatpatienten in Hamburg mit Hausbesuchen.
So senken Sie Ihr Sturzrisiko im Alltag
Neben dem Training entscheidet Ihr Umfeld darüber, wie sicher Sie unterwegs sind. Diese fünf Punkte haben die größte Wirkung
Weil die Augen die fehlende Rückmeldung der Füße ersetzen, ist Dunkelheit die gefährlichste Zeit. Ein Nachtlicht auf dem Weg zur Toilette verhindert Stürze Stolperfallen konsequent entfernen:
Lose Teppiche, Kabel, schlecht beleuchtete Flure — dazu Haltegriffe und rutschfeste Matten im Bad. Füße täglich kontrollieren und pflegen:
Druckstellen und kleine Verletzungen werden ohne Gefühl leicht übersehen. Bequeme, gut sitzende Schuhe schützen zusätzlich. Regelmäßig in Bewegung bleiben:
Gehen, Radfahren, Schwimmen oder Aquagymnastik — etwa 150 Minuten pro Woche erhalten Kraft, Durchblutung und Balance. Hilfsmittel fachgerecht anpassen lassen:
Gehstock oder Rollator geben Sicherheit — aber nur richtig eingestellt. Ein unpassendes Hilfsmittel kann das Sturzrisiko sogar erhöhen.
Welche Übungen für Sie sicher sind, hängt vom Ausmaß der Gefühlsstörung und Ihrer Standsicherheit ab — wir bauen das Training schrittweise auf, zunächst mit Festhalten.
Mehr Sicherheit ist möglich — auch mit Polyneuropathie
Die meisten Polyneuropathien sind nicht heilbar; Ziel ist, ein weiteres Fortschreiten zu verhindern — vor allem durch die Behandlung der Grunderkrankung. Für Ihren Alltag entscheidend ist aber etwas anderes: Gleichgewicht und Kraft sind trainierbar, unabhängig davon, wie stark die Nerven geschädigt sind. Genau hier liegt der wirksamste Hebel gegen Stürze. Wir arbeiten in fünf Schritten:
Ein Heimprogramm hält das Erreichte — denn Pausen kosten schnell wieder Sicherheit.
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Häufige Fragen zu Polyneuropathie
Weil das Gehirn seine Rückmeldung aus den Füßen verliert: Normalerweise melden Nerven ständig, wie der Boden beschaffen ist und wie der Körper steht. Fällt diese Information aus, fehlt eine der drei Säulen des Gleichgewichts — ausgeglichen wird das vor allem über die Augen, weshalb Dunkelheit besonders gefährlich ist.
Drei Dinge gleichzeitig: Gleichgewicht und Beinkraft trainieren, die Wohnung sicher machen (Licht, Stolperfallen, Haltegriffe) und passende Hilfsmittel fachgerecht anpassen lassen. Wichtig ist, trotz Unsicherheit in Bewegung zu bleiben — Schonung verschlechtert die Standsicherheit weiter.
Sinnvoll sind Gleichgewichts- und sensomotorische Übungen, Kräftigung von Waden, Oberschenkeln und Fußmuskulatur sowie Gangtraining. Begonnen wird sicher — im Sitzen oder mit Festhalten — und erst dann gesteigert. Welche Stufe für Sie passt, klären wir im Befund.
Deutlich erhöht — die Kombination aus fehlendem Gefühl, unsicherem Gang und nachlassender Beinkraft ist einer der stärksten Sturzrisikofaktoren im Alter. Die gute Nachricht: Gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining gehört zu den wirksamsten Maßnahmen der Sturzprävention überhaupt.
Meist nicht vollständig. Entzündliche Formen sprechen oft gut auf Medikamente an, und bei Alkohol- oder Vitaminmangel-bedingten Formen können sich Nerven teilweise erholen. Bei den übrigen ist das Ziel, ein Fortschreiten zu verhindern und die Folgen im Alltag zu beherrschen.
Ja. Trainiert wird nicht der geschädigte Nerv, sondern alles, was ihn kompensiert: Muskelkraft, Koordination und die Fähigkeit des Gehirns, sich stärker auf Augen und Gleichgewichtsorgan zu stützen. Genau das macht den Unterschied zwischen unsicherem und sicherem Gehen.
Albert Becker
Physiotherapeut & Inhaber des Physiopaedikum Hamburg
Seit über zehn Jahren behandle ich Erwachsene, Senioren und Kinder in Hamburg — in der Praxis und als Hausbesuch. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf neurologischen Krankheitsbildern: Ich begleite Menschen mit Parkinson und Multipler Sklerose dabei, Beweglichkeit und Selbstständigkeit langfristig zu erhalten.
Verwendete Quellen
- Deutsche Hirnstiftung: Polyneuropathie — Symptome, Ursachen und Therapie
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Funktionstraining in der Sturzprävention
- NDR Visite / Ratgeber Gesundheit: Polyneuropathie — Symptome, Diagnose und Behandlung
Dieser Text wurde am 23. Juli 2026 zuletzt fachlich geprüft und aktualisiert. Er dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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