Parkinson & Multiple Sklerose: Beweglich bleiben im Alltag
Zwei sehr unterschiedliche Erkrankungen des Nervensystems — und eine gemeinsame Frage: Wie behalte ich meine Beweglichkeit und meine Selbstständigkeit? Beide sind nicht heilbar, aber beide lassen sich beeinflussen. Was bei Parkinson die schrumpfenden Schritte sind, ist bei MS die Erschöpfung nach dem Schub. Was gegen beides hilft, ist dasselbe: regelmäßige, richtig dosierte Bewegung — und das Wissen, worauf es dabei ankommt.
Parkinson und Multiple Sklerose — wo liegt der Unterschied?
Beide Erkrankungen betreffen das zentrale Nervensystem, entstehen aber völlig unterschiedlich. Bei Parkinson sterben im Gehirn jene Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin herstellen — und Dopamin steuert unsere Bewegungen. Bei der Multiplen Sklerose greift dagegen das eigene Immunsystem die Schutzhüllen der Nervenfasern an, die Signalübertragung wird gestört. Ein Punkt ist für die Behandlung entscheidend: Beide führen ohne Gegensteuern in dieselbe Abwärtsspirale — aus Schonung wird Kraftverlust, aus Kraftverlust noch weniger Bewegung. Genau dort setzt Physiotherapie an.
Gemeinsam ist beiden außerdem: Sie sind chronisch und nicht heilbar. Der Verlauf lässt sich aber beeinflussen.
Beginnt meist im höheren Lebensalter und schreitet gleichmäßig voran, nicht in Schüben. Typisch sind Zittern, Steifigkeit und zunehmend verlangsamte Bewegungen. Multiple Sklerose: meist in Schüben
Wird meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr diagnostiziert und trifft Frauen deutlich häufiger. Bei den meisten Betroffenen wechseln sich Schübe und Erholungsphasen ab. MS: die Krankheit der 1000 Gesichter
Je nachdem, welche Nervenbahnen betroffen sind, sehen die Beschwerden völlig anders aus — Sehstörungen, Taubheitsgefühle, Gangunsicherheit oder Erschöpfung. Zwei Verläufe gleichen sich selten. Parkinson: die Bewegung wird kleiner, ohne dass man es merkt
Schritte, Schrift und Mimik verkleinern sich schleichend. Das Gehirn nimmt diese Verkleinerung nicht mehr als solche wahr — deshalb arbeitet die Therapie mit bewusst übergroßen Bewegungen. Bei beiden gilt: Bewegung ist Teil der Behandlung
Regelmäßige, angepasste Bewegung wirkt sich bei Parkinson wie bei MS nachweislich positiv aus. Sie ersetzt keine Medikamente, ist aber neben ihnen die zweite tragende Säule.
Wie schnell und wie stark sich eine der beiden Erkrankungen auswirkt, ist individuell sehr verschieden. Beide brauchen dauerhafte Begleitung statt einzelner Behandlungsblöcke.
„Parkinson entsteht durch Dopaminmangel und schreitet langsam fort; Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung und verläuft meist in Schüben. Heilbar ist keine von beiden — aber der Verlauf lässt sich beeinflussen: Regelmäßige, angepasste Bewegung wirkt sich bei beiden Erkrankungen nachweislich positiv aus.“
Welche Beschwerden den Alltag bestimmen
Die Beschwerdebilder unterscheiden sich deutlich — diese vier Symptome bringen Betroffene am häufigsten in Behandlung. Die ersten beiden sind typisch für Parkinson, die letzten beiden für Multiple Sklerose.
Die drei Kardinalsymptome bei Parkinson: Ruhetremor, versteifte Muskulatur (Rigor) und verlangsamte Bewegungen (Bradykinese).
Der schlurfende Gang, plötzliches „Einfrieren“ in Türrahmen und die instabile Haltung — die Hauptursache für Stürze bei Parkinson.
Das häufigste und am meisten unterschätzte MS-Symptom: eine Müdigkeit, die mit Schlaf nicht besser wird und Körper wie Kopf betrifft.
Bei MS zusätzlich typisch: erhöhte Muskelspannung, Kribbeln oder Taubheitsgefühle, Sehstörungen und eine kürzer werdende Gehstrecke.
Was hinter den Beschwerden steckt
Zwei verschiedene Krankheitsmechanismen — und zwei Faktoren, die beide Verläufe zusätzlich verschlechtern, obwohl sie sich beeinflussen lassen:
In der Substantia nigra sterben dopaminproduzierende Zellen ab. Auffällig wird das erst, wenn bereits rund die Hälfte dieser Zellen verloren ist — deshalb beginnt Parkinson schleichend und wird oft spät erkannt.
Beide Erkrankungen führen dazu, dass bestimmte Muskeln überbeansprucht und andere gar nicht mehr genutzt werden. Diese Schieflage verstärkt sich mit der Zeit selbst — genau hier setzt gezieltes Bewegungstraining an und durchbricht den Kreislauf.
Körpereigene Abwehrzellen zerstören die Schutzschicht der Nervenfasern in Gehirn und Rückenmark. An diesen Entzündungsherden werden Signale verlangsamt oder gar nicht mehr weitergeleitet — welche Funktion ausfällt, hängt vom Ort des Herdes ab.
Wer sich aus Angst vor Stürzen oder wegen Erschöpfung weniger bewegt, verliert Muskelkraft und Kondition — und wird dadurch noch unbeweglicher. Ein erheblicher Teil der Einschränkungen im Alltag stammt aus dieser Spirale, nicht aus der Erkrankung selbst.
Wann müssen Sie zum Arzt?
Beide Erkrankungen gehören dauerhaft in neurologische Betreuung — mit regelmäßigen Verlaufskontrollen. Bei diesen Zeichen brauchen Sie zeitnah ärztliche Hilfe:
Dieser Text dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose.
Womit wir Sie bei Parkinson und MS unterstützen
Bei Parkinson und Multipler Sklerose geht es nicht um eine Reha mit Enddatum, sondern um langfristige Begleitung: Beweglichkeit erhalten, Stürze vermeiden, Selbstständigkeit so lange wie möglich sichern. Unsere Bausteine dafür:
Bei Parkinson: Gangtraining mit Rhythmus, große Bewegungsamplituden gegen Rigor und Bradykinesie, Aufsteh- und Drehübungen. Bei MS: Spastik regulieren, Koordination erhalten, Gleichgewicht sichern – angepasst an Schub und Tagesform.
Kraft und Ausdauer gezielt aufbauen und erhalten — dosiert nach Belastbarkeit, damit Training bei Fatigue nicht zur Überforderung wird. Dazu Dehnung verkürzter Muskulatur und Übungen, die Sie zwischen den Terminen selbstständig weiterführen können.
Wir kommen zu Ihnen nach Hause — auch an Tagen mit wenig Energie, an denen der Weg in eine Praxis nicht möglich wäre. Geübt wird dort, wo der Alltag stattfindet: am eigenen Bett, an der eigenen Treppe, mit Angehörigen, die Handgriffe direkt mitlernen.
Darauf können Sie sich verlassen
Unsere Patient:innen bewerten uns bei Google mit der Höchstnote. Keine gekauften Bewertungen. Echte Erfahrungen von echten Menschen.
Von Säuglingen mit Entwicklungsverzögerungen bis zu Senioren nach Schlaganfall.
Ich behandle seit über einem Jahrzehnt Privatpatienten in Hamburg mit Hausbesuchen.
Bewegung ist bei beiden Erkrankungen belegt wirksam
Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert bei Parkinson wie bei MS nachweislich Beweglichkeit, Kraft und Lebensqualität — entscheidend ist die richtige Dosierung:
Regelmäßigkeit schlägt Intensität. Ausdauer- und angepasstes Krafttraining wirken sich bei beiden Erkrankungen positiv auf den Verlauf aus. Bei Parkinson: bewusst groß bewegen:
Große Schritte, weite Armbewegungen, laut sprechen — das Gehirn unterschätzt die eigene Bewegungsgröße, deshalb hilft bewusstes Übertreiben. Bei MS: Kräfte einteilen statt aufbrauchen:
Aktivität über den Tag verteilen, Pausen fest einplanen und Überhitzung meiden — Wärme verstärkt MS-Symptome oft vorübergehend. Stürze aktiv vorbeugen:
Stolperfallen entfernen, Haltegriffe anbringen, gutes Schuhwerk — und Gleichgewicht gezielt trainieren, statt Bewegung aus Angst zu vermeiden. Termine in die gute Tageszeit legen:
Bei Parkinson lohnt es sich, aktive Phasen nach der Medikamenteneinnahme zu nutzen — dann gelingt Training deutlich besser.
Welche Belastung in Ihrer Krankheitsphase richtig ist, stimmen wir individuell ab — bei MS auch in Abhängigkeit von Schüben und Fatigue, bei Parkinson vom Stadium und der Medikamentenwirkung.
Nicht heilbar — aber deutlich beeinflussbar
Weder Parkinson noch MS lassen sich heilen. Aber beide Verläufe sind heute so gut behandelbar wie nie: Moderne Medikamente bremsen die Krankheitsaktivität, und körperliche Aktivität wirkt sich nachweislich positiv auf Beweglichkeit, Selbstständigkeit und Lebensqualität aus. Das Ziel unserer Begleitung ist deshalb kein Endpunkt, sondern ein Verlauf — in fünf Schwerpunkten:
Feste Behandlungsrhythmen und ein Heimprogramm, das sich mit der Erkrankung mitentwickelt.
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Häufige Fragen zu Parkinson & Multipler Sklerose
Bei etwa 85 Prozent beginnt die MS schubförmig: Neue Symptome treten über Stunden bis Tage auf und bilden sich anschließend ganz oder teilweise zurück. Bei einem Teil der Betroffenen geht die Erkrankung später in einen schleichend fortschreitenden Verlauf über. Frühe, konsequente Behandlung kann das Fortschreiten bei vielen Menschen deutlich bremsen.
Parkinson entsteht durch das Absterben dopaminproduzierender Nervenzellen, beginnt meist im höheren Alter und schreitet stetig voran. MS ist eine Autoimmunerkrankung, wird meist zwischen 20 und 40 diagnostiziert und verläuft überwiegend in Schüben. Gemeinsam ist beiden, dass Bewegungsstörungen im Vordergrund stehen können.
Ja — das ist inzwischen gut belegt. Regelmäßiges Ausdauer- und angepasstes Krafttraining verbessert bei beiden Erkrankungen Beweglichkeit, Kraft und Lebensqualität und wirkt sich positiv auf den Verlauf aus. Entscheidend ist, dass die Belastung zur Tagesform passt — bei MS besonders wegen der Fatigue.
Sehr unterschiedlich — Parkinson verläuft langsam über viele Jahre und ist von Mensch zu Mensch verschieden. Im Frühstadium lassen sich die Beschwerden durch Medikamente und Bewegungstherapie oft so gut kontrollieren, dass der Alltag kaum eingeschränkt ist. Anders als MS verläuft Parkinson nicht in Schüben.
Ein akuter Schub wird ärztlich meist mit hochdosiertem Kortison über wenige Tage behandelt, um ihn abzukürzen. Wichtig: Bei neuen Symptomen zeitnah den Neurologen aufsuchen. Nach dem Schub geht es darum, verlorene Funktionen gezielt wieder aufzubauen — hier setzt die Bewegungstherapie an.
Das ist möglich, aber sehr selten — es handelt sich um zwei völlig verschiedene Erkrankungen mit unterschiedlichen Ursachen. Weil sich manche Beschwerden ähneln, ist die genaue neurologische Abklärung entscheidend, bevor eine Behandlung geplant wird.
Albert Becker
Physiotherapeut & Inhaber des Physiopaedikum Hamburg
Seit über zehn Jahren behandle ich Erwachsene, Senioren und Kinder in Hamburg — in der Praxis und als Hausbesuch. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf neurologischen Krankheitsbildern: Ich begleite Menschen mit Parkinson und Multipler Sklerose dabei, Beweglichkeit und Selbstständigkeit langfristig zu erhalten.
Verwendete Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): S2k-Leitlinie Parkinson-Krankheit
- Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG): Informationen zu Verlauf und Therapie
- Deuschl G. (2022): Körperliche Aktivität und ihr Einfluss bei Parkinson-Patienten
Dieser Text wurde am 23. Juli 2026 zuletzt fachlich geprüft und aktualisiert. Er dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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